Politik und Spargel 2026: Volles Haus in Kirchdorf – Dr. Marco Trips warnt vor Kommunen am Limit

11. Juni 2026

Bereits zum 15. Mal hatten die CDU- und MIT-Kreisverbände Nienburg und Diepholz zu ihrer gemeinsamen Veranstaltung „Politik und Spargel“ auf den Spargelhof Thiermann in Scharringhausen eingeladen. Rund 200 Gäste waren der Einladung gefolgt, um gemeinsam Spargel zu genießen, politische Impulse mitzunehmen und anschließend miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die beiden CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten aus Nienburg und Diepholz, Dr. Frank Schmädeke und Marcel Scharrelmann, begrüßten zahlreiche Gäste aus Politik, Wirtschaft und Ehrenamt. Unter ihnen waren haupt- und ehrenamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, Landtagsabgeordnete, Vertreterinnen und Vertreter der MIT, Kandidatinnen und Kandidaten für verschiedene Bürgermeisterämter, die Landratskandidatin für den Landkreis Hameln-Pyrmont Elisabeth Meyer, der Nienburger Landratskandidat Dennis Seebode sowie die Nienburger Spargelkönigin.

Den Auftakt machte der Kirchdorfer Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher. In seinem Grußwort warb er dafür, trotz aller Herausforderungen den Optimismus nicht zu verlieren. Zu oft lasse man sich von schlechter Stimmung leiten. Dabei habe Deutschland schon schwierigere Zeiten erlebt und überwunden. Wer Verantwortung übernehmen wolle, müsse gemeinsam an Lösungen arbeiten und dürfe die demokratische Mitte nicht den politischen Rändern überlassen.

Auch Landrat Volker Meyer schlug bei seiner Bgrüßung einen optimistischen Ton an. Wenn die Wirtschaft wieder anziehe, strukturelle Probleme gelöst würden und der gesellschaftliche Zusammenhalt stark bleibe, seien die Perspektiven gut. Er verwies auf die Erfolge der beiden Landkreise bei der Förderung von Wirtschaft und Infrastruktur sowie auf Fortschritte im Naturschutz. Darüber müsse man auch einma sprechen, darauf könne man stolz sein. Politik müsse Probleme lösen und Zukunft gestalten. Diejenigen, die nur Unzufriedenheit schürten, lieferten dagegen selten konkrete Antworten.

Großen Zuspruch erhielt auch die Rede des Landratskandidaten Dennis Seebode. Mit klaren Worten sprach er die Herausforderungen an, vor denen der Landkreis steht, und warb dafür, Verantwortung nicht aufzuschieben, sondern aktiv anzunehmen. Sein Aufruf, die Zukunft gemeinsam zu gestalten und den Landkreis mit Mut und Zuversicht weiterzuentwickeln, fand bei den Gästen viel Zustimmung und wurde mit kräftigem Applaus aufgenommen.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Impulsvortrag von Dr. Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Unter dem Titel „Kommunen am Limit“ zeichnete er ein eindringliches Bild der finanziellen Lage vieler Städte und Gemeinden.

Trips machte deutlich, dass die kommunale Selbstverwaltung das Herz der Demokratie sei. Vor Ort werde entschieden, was die Menschen unmittelbar betreffe. Gleichzeitig würden die Kommunen immer stärker belastet. Neue Aufgaben müssten übernommen werden, ohne dass eine ausreichende Finanzierung erfolge. Hinzu kämen steigende Sozialausgaben, die Herausforderungen beim Ganztagsausbau, die finanzielle Beteiligung an Krankenhäusern sowie steigende Zinslasten.


Die „vier apokalyptischen Reiter“ der kommunalen Finanzen

Als die „vier apokalyptischen Reiter“ der kommunalen Finanzen bezeichnete Trips die Kostenentwicklungen im Bereich Ganztagsbetreuung, Krankenhausfinanzierung, Sozialausgaben und die immer schwierigere Finanzierung kommunaler Investitionen. Viele Kommunen könnten notwendige Investitionen inzwischen nur noch über Kredite finanzieren.

Besonders kritisch bewertete er die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Seit Jahren fehle das Wachstum, die Industrie habe zahlreiche Arbeitsplätze verloren und die finanzielle Basis für staatliches Handeln werde zunehmend schwächer. Gleichzeitig werde immer häufiger der Eindruck vermittelt, zusätzliche Einnahmen oder Steuererhöhungen könnten die Probleme lösen. Tatsächlich handele es sich jedoch vor allem um eine Ausgabenkrise, die nur durch strukturelle Reformen bewältigt werden könne.


Trips kritisierte zudem, dass Bund und Länder häufig neue Aufgaben beschlossen, die Umsetzung und Finanzierung aber den Kommunen überließen. Statt immer neuer Einzelmaßnahmen brauche es ein umfassendes Reformpaket, das die Ursachen der Probleme angehe und den Kommunen wieder mehr Handlungsspielraum verschaffe.

Dabei fand er klare Worte: „Es ist kein sozialer Fortschritt, wenn man den Staat in einen All-inclusive-Laden umwandelt.“ Ein leistungsfähiger Sozialstaat müsse dauerhaft finanzierbar bleiben. Verantwortung bedeute deshalb auch, Prioritäten zu setzen und offen über notwendige Veränderungen zu sprechen.

Wie aktuell das Thema war, zeigte sich nicht nur an der großen Zahl der Gäste, sondern auch an der Vielzahl der Fragen und Wortbeiträge im Anschluss. Die lebhafte Diskussion zog sich noch lange nach dem offiziellen Programm durch den Abend.

Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte Gastgeber Heinrich Thiermann. In seinen abschließenden Worten erinnerte er an die vielen Vorzüge unseres Landes und an die Fähigkeit zur Erneuerung, die Deutschland immer wieder ausgezeichnet habe. Mit einem ebenso einfachen wie eindringlichen Appell brachte er seine Botschaft auf den Punkt: Wenn wir die anstehenden Herausforderungen nicht bewältigen, dann sind wir selbst dafür verantwortlich.

Die hohe Beteiligung, die intensive Diskussion und die große Zustimmung zu den Beiträgen machten deutlich, wie groß das Interesse an einer starken kommunalen Selbstverwaltung, einer leistungsfähigen Wirtschaft und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen ist. „Politik und Spargel“ bot den Gästen zahlreiche Denkanstöße und vor allem die Gelegenheit zum direkten Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Bürgerschaft.

Mit dem ebenfalls traditionellen Gastgeschenk- einem Präsentkorb des Spargelhofes Thiermann, bedankten sich die Gastgeber bei Dr. Marco Trips für den tollen Vortrag.

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